Management Insights mit Huschke Diekmann, Executive Director General Electric Deutschland

Der GE-Geschäftsführer stellt EMS Studenten die Anforderungen an heutige Führungskräfte vor und gibt Einblicke in seinen Werdegang


Mainz, 22.03.2017 – "Anforderungen an das Kompetenzprofil von Young Professionals im Kontext der Digitalisierung und Internationalisierung", so das Thema der neuesten Ausgabe der Management Insights an der European Management School in Mainz am 22. März. In Kooperation mit IMEC, dem Bildungspartner der EMS, geben hochrangige Manager Einblicke in spannende Wirtschaftsthemen, nehmen die Studenten mit in ihren Berufsalltag und berichten über ihren ganz persönlichen Werdegang.

Huschke Diekmann, der vor seiner Managementposition bei GE bereits 13 Jahre auf Führungsebene bei Siemens tätig war, gab den Studenten viele wertvolle Tipps und Ratschläge mit auf den Weg. So betonte der studierte Geograf mit Nebenfach BWL, Soziologie und Jura insbesondere Eigenschaften wie Flexibilität und Offenheit, sich möglichst breit umzuschauen, neugierig zu sein, Fragen zu stellen und ständig dazuzulernen. Gerade der berufliche Werdegang sei nicht planbar, einzelne Karriereschritte geschähen oft zufällig und seien häufig von Begegnungen abhängig. Kontakte zu knüpfen, gezielt Veranstaltungen, Diskussionsrunden oder Messen zu besuchen sei ebenso unerlässlich, wie ein großes Maß an Eigeninitiative. Nur wer selbst loslaufe, sein Netzwerk nutze, ins Ausland gehe und über Praktika, Diplomarbeiten oder Traineeships Unternehmen und sich selbst kennenlerne, entwickle seine Persönlichkeit – und dieser komme neben einer fundierten Ausbildung eine bedeutendere Rolle zu, als erlangte Titel und Abschlüsse. Zum lebenslangen Lernen gehöre es auch, auf die Berufserfahrung anderer zurückzugreifen, deren Wissen abzurufen, Mentoren zu identifizieren und mit diesen intensive Dialoge zu führen. Wer gelernt habe, in Teams zu arbeiten und in der Lage sei, sich auch global, interkulturell und in unterschiedlichen Zeitzonen zu bewegen, bringe für Führungspositionen der Zukunft gute Voraussetzungen mit.

Doch nicht nur die Arbeitsumgebung, auch Faktoren wie die Work-Life-Balance, das Gehalt oder Reisetätigkeiten verändern sich. Der Familienvater Diekmann legte den Studenten ans Herz, ihr persönliches Gleichgewicht zwischen Privatleben und Beruf zu finden; auch er selbst verdanke seine Erfolge nur dem Rückhalt und der Energie, die er in seinem privaten Umfeld finde. War die Höhe des Gehalts in der Vergangenheit noch von übergeordneter Bedeutung, so fallen heute eher Aspekte wie eine flexible Arbeitszeitgestaltung, die Möglichkeit des Homeoffice oder eine ansprechende Arbeitsplatzumgebung ins Gewicht. Eine weltweite Reisetätigkeit habe ebenfalls längst ihre Statusposition verloren, bedeute dies doch auch immer einen hohen Zeitverlust, während man demgegenüber in der Regel die unterschiedlichen Destinationen kaum kennenlerne.

Auch wenn das Zeitalter der Digitalisierung und Internationalisierung von einer starken Volatilität geprägt sei, mit der sich zukünftige Führungskräfte auseinandersetzen müssten, seien die neuen Herausforderungen, die auf die Studenten zukämen, dennoch hochspannend: die universelle Verbreitung von Medien, der durch die Energiewende bedingte Ressourcenüberschuss und daraus resultierend sich komplett verändernde Wirtschaftssysteme, das Industrial Internet of Things und die Wandlung von Industriekonzernen zu digitalen Konzernen.

Insbesondere die digitale Transformation ziehe ein verlangsamtes Wachstum der Produktivität nach sich; viele Potentiale seien schon ausgeschöpft, neue Geschäftsideen müssten entwickelt werden. Dies habe auch verändernden Einfluss auf die Führungsstile; zukünftig setze man auf geteilte Verantwortung, Dezentralisierung und eine ausgeprägte Feedbackkultur. Das sich wandelnde Weltbild verlange von Nachwuchsführungskräften eine Start-Up-Mentalität, bei der es in erster Linie darum gehe, schnell zu sein, neue Prozesse zu entwickeln und gezielt Innovationen zu fördern.  Gerade letzteres beginne direkt im Unternehmen, indem Vorgesetzte die Innovationskultur selbst vorlebten, Prozesse wie das Vorschlagswesen sowie Forschung und Entwicklung förderten, Mitarbeitern die Freiheit verschafften, neue Ideen zu entwerfen, gleichzeitig aber auch Fehler zuließen, eine kreativitätsfördernde Umgebung schafften und Anreize zur Entwicklung neuer Ideen gäben, indem sie Mitarbeiter an den Erfolgen beteiligten.

Zur Vorbereitung auf die zukünftigen Herausforderungen riet Diekmann den Studenten, ihr Fachwissen ständig zu erweitern, flexibel zu bleiben und sich nie in eine „Schublade stecken“ zu lassen, die Social Skills zu trainieren, um in wechselnden Teams unterschiedlicher Kulturen arbeiten zu können und das eigene Netzwerk kontinuierlich auszubauen und zu nutzen. Besonders wichtig sei es, authentisch und selbstbewusst aufzutreten, gleichzeitig aber zuhören zu können, auch wenn man glaube, die Antwort schon  zu kennen. Dennoch müsse man stets kritisch bleiben – sowohl gegenüber Meinungen und Informationen, mit denen man konfrontiert werde, als auch sich selbst gegenüber.