Prof. Dr. Schmidpeter beim 3. Nachhaltigkeitskongress in Mainz

Der Inhaber des Dr. Jürgen Meyer Stiftungslehrstuhls für Internationale Wirtschaftsethik und CSR an der Cologne Business School diskutiert zum Thema Nachhaltigkeitsreporting und betont den Auftrag der Hochschulen, das Thema in die Managementausbildung zu integrieren.


Mainz, 09.03.2017 – „Investition & Return: Mehrwert durch Nachhaltigkeit“ war das Thema des 3. Nachhaltigkeitskongresses, der am 09. März 2017 im Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz stattfand. Der von der Zukunftsinitiative Rheinland-Pfalz (ZIRP) organisierte Kongress beschäftigte sich insbesondere mit der Rentabilität von Nachhaltigkeit für Unternehmen. Das Thema Nachhaltigkeit beträfe nahezu alle Bereiche eines Unternehmens und müsse daher als integrierter Bestandteil für sämtliche Funktionen betrachtet werden; dies wurde bereits in den zu Beginn des Kongresses vorgestellten Beispielen nachhaltiger Unternehmensführung deutlich.

Anschließende Panel-Diskussionen beleuchteten das Kongressthema unter den Aspekten der Investition in Mitarbeiter, der Kapitalanlage sowie der Berichterstattung. Professor Dr. René Schmidpeter, Lehrstuhlinhaber für Internationale Wirtschaftsethik und Corporate Social Responsibility an der CBS, unterstrich im KPMG-Panel zu den Chancen und Trends des Nachhaltigkeitsreportings gerade die Vorteile der Berichterstattung für Unternehmen. Auch die weiteren Panel-Teilnehmer – Simone Fischer, Head of Sustainability Services Deutschland der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, sowie Stefan Kauß, Leiter Sicherheit und Nachhaltigkeit bei der Bitburger Braugruppe GmbH – betonten, dass sich Investitionen in das Nachhaltigkeitsreporting  auf lange Sicht auszahlten.

Die Anzahl der vom Nachhaltigkeitsreporting betroffenen Unternehmen – europaweit rund 6.000 börsennotierte Unternehmen – sei überschaubar, dennoch lohne es sich auch für kleinere, insbesondere mittelständische Unternehmen, über eine freiwillige Berichterstattung nachzudenken. Zur Zeit gebe es noch keine einheitlichen Standards, Nachhaltigkeit im Unternehmen zu messen und zu dokumentieren, allerdings sahen die Panel-Teilnehmer dies gerade als Chance. Können die Unternehmen doch so das Nachhaltigkeitsreporting gezielt nutzen, sich sowohl nach innen als auch  nach außen als attraktives Unternehmen darzustellen. 

Wichtig sei es, das Nachhaltigkeitsreporting nicht als sogenanntes „Greenwashing“ zu instrumentalisieren, sondern ernsthaft umzusetzen. Auch wenn die Berichterstattung zunächst hohe Investitionen bedeute, zahle sich dies langfristig aus. Nutze man beispielsweise das Reporting zu Steuerungszwecken im Unternehmen, ergeben sich Synergieeffekte, durch die sich an anderen Stellen im Unternehmen Kosten einsparen ließen. Schmidpeter wies zudem darauf hin, dass das Nachhaltigkeitsreporting es den Unternehmen ermögliche, neue, zukunftsträchtige Geschäftsfelder zu entwickeln. Gerade eine fehlende einheitliche Definition von Nachhaltigkeit fördere das Entstehen verschiedener Konzepte.

Bisher sei man mit dem Thema strategisch falsch vorgegangen, so Schmidpeter. Nachhaltigkeit käme im strategischen Management kaum vor, eine Strategie müsse jedoch in sämtliche Unternehmensbereiche integriert sein. Es gehe nicht um das „Management von Sustainability (Nachhaltigkeitsmanagement), sondern um Sustainable Management (nachhaltiges Management)“. Genau an dieser Stelle seien die Hochschulen gefordert, ihre Curricula anzupassen und nachhaltiges Management als festen Forschungs- und Ausbildungsbestandteil zu integrieren. Große Massenuniversitäten interessieren sich für dieses relativ neue Thema nur marginal, daher gebe es gerade hier eine Chance für private Hochschulen, eine Vorreiterrolle für ein nachhaltiges und zukunftsfähiges Managementparadigma  einzunehmen.